NLZ:
Fussball, Super League: FC Luzern
«Alles ist möglich - von 1 bis 5»
Mario Cantaluppi ist der erste FCL-Torschütze der neuen Saison. Beim 1:1 gegen Xamax klappte zwar bei weitem nicht alles - aber der 33-Jährige ist Optimist.
Das Duell des Abends fand in der 25. Minute statt, ausgetragen auf der Allmend bei strömendem Regen. Es war die ungewöhnliche Begegnung zweier Freunde: Der Luzerner Cantaluppi lief zum Penalty gegen Zuberbühler im Tor von Xamax an und gewann souverän. Der 33-Jährige sorgte für das erste FCL-Tor der Meisterschaft 07/08. Das reichte zwar nicht zum Sieg, weil die Neuenburger mit einem Prachtstor von Szlykowicz ausglichen. Cantaluppi zeichnete anderntags trotzdem eine überaus positive Zukunft für den FCL.
Mario Cantaluppi, hatten Sie Bedenken, als Sie gegen Zuberbühler zum Penalty anliefen?
Mario Cantaluppi: Nein, ich war mir sicher, dass ich ihn versenken würde.
Trotzdem, ist ein 1:1 gegen einen Aufsteiger nicht zu wenig für den neuen FCL mit den gestiegenen Ansprüchen?
Cantaluppi: Wir wollten mit einem Sieg ein Zeichen setzen, klar. Und ich glaubte auch, dass wir ein bisschen weiter sind. Mit unserem Potenzial hätte ich einen Sieg erwartet. Darum gibt es eine leise Enttäuschung. Trotzdem ist das Unentschieden okay und nicht glücklich. Xamax ist wohl Aufsteiger, wird den anderen Teams in der Liga aber auch viel Mühe bereiten.
Was hat dem FCL zum Sieg gefehlt?
Cantaluppi: Nach gutem Start haben wir die Ordnung verloren. Wir wollten 10 000 Leuten mit einem Sieg entschädigen und zogen sofort ein Pressing auf. Aber es geht nicht, dauerhaft so zu spielen. Wir müssen lernen, auch Phasen einzuschalten, in denen wir uns sammeln und wieder die Ordnung zurückbekommen. Das ist das A und O. Jetzt gilt es, die Details zu korrigieren. Schliesslich haben wir viel vor.
Konkret?
Cantaluppi: Wir können die Überraschung der Saison werden.
Noch konkreter?
Cantaluppi: Alles ist möglich - von 1 bis 5.
Bei allem Respekt: Platz 1 klingt nicht nur unrealistisch, es ist es doch auch.
Cantaluppi: Warum? Es gab schon andere Mannschaften, die Überraschungen schufen. Und wieso soll das in dieser Saison nicht Luzern sein?
Weil die Konkurrenz an der Spitze über mehr Substanz verfügt, auch auf der Ersatzbank.
Cantaluppi: Wir haben keinen Europa-Cup zu bewältigen, und wir sind Profis. Wenn wir kein Verletzungspech haben, dann ist das Kader breit genug. Der fünfte Platz, finde ich, wäre normal. Aber es ist zweifellos viel mehr möglich.
Gegen Xamax war allerdings offensichtlich, dass die defensive Stabilität noch gefunden werden muss. Der Gegner kam zu vielen Chancen.
Cantaluppi: Fabijan (Cipot, Red.) hat konditionell noch etwas Rückstand, aber ich bin sicher: Wir werden mit ihm auch in der Abwehr bald gefestigt sein.
Benötigt wird auch eine Steigerung der Effizienz im Abschluss.
Cantaluppi: Felipe hätte sein Tor gemacht, wenn er ein, zwei Mal schneller geschossen hätte. Aber es ist so: Wir müssen schneller spielen und direkter den Weg zum gegnerischen Tor suchen.
Wie klappt das Zusammenspiel mit Davide Chiumiento vor Ihnen?
Cantaluppi: An der Abstimmung müssen wir arbeiten. Aber Chiumiento passt hervorragend in unser Team. Ich habe ihm gesagt: Du schiesst in dieser Saison acht Tore und bereitest sieben vor. Chiumiento wird den Leuten noch viel Freude bereiten. Und Felipe wird auch auftrumpfen.
Sie tönen enorm zuversichtlich. Ist beim FC Luzern wirklich alles so viel besser geworden?
Cantaluppi: Wir werden uns nur noch verbessern und nicht mehr zurückfallen. Was es braucht, ist Geduld.
Was gibt Ihnen diese Zuversicht?
Cantaluppi: Wir haben keine Stinkstiefel mehr.
Das heisst, es gab letztes Jahr welche?
Cantaluppi: Wissen Sie, wenn ich eines Tages Trainer bin, will ich den Spielern klarmachen, was für einen schönen Job sie haben.
Diese Freude zeigten Sie letztes Jahr aber selber auch nicht mehr.
Cantaluppi: Das Lachen ist mir vergangen, stimmt. Aber jetzt ist es anders. Wir haben Typen mit einer positiven Einstellung, solche, die Lebensfreude zeigen, und das macht alles einfacher. Spieler, die machen, was sie wollen, haben bei uns keine Chance mehr. Ja, wir haben keine Amateure mehr. Dafür sorgt der Trainer schon. Oder dann wir Älteren im Team.
Wenn Sie schon so optimistisch denken: Was ist für den FCL am Donnerstag in Zürich möglich?
Cantaluppi: In dieser Saison gibt es keine Übermannschaft, davon bin ich überzeugt. Ich freue mich auf Zürich, und wir gehen mit der Einstellung dorthin, zu siegen. Ausserdem: Haben wir nicht kürzlich den FCZ im Hardturm geschlagen (schmunzelt)?
Fussball, Super League: FC Luzern - Neuchâtel Xamax 1:1 (1:0)
Durchzogener Start der Neuen
Mit fünf Neuen bestritt der FCL den Saisonauftakt gegen Xamax. Herausragend war einer, der in Zürich nicht mehr auf dem Platz stehen wird: Torhüter Swen König.
Bernard Challandes machte sich auf der Tribüne eifrig Notizen, und als das 1:1 zwischen dem FCL und Xamax besiegelt war, fasste der Trainer des FC Zürich zusammen: «Es war ein Startspiel mit vielen positiven Dingen. Aber natürlich hat noch nicht alles wunschgemäss geklappt.» Für Donnerstag, wenn der FCL in Zürich zu Gast sein wird, stellt er sich aber auf eine heikle Aufgabe ein: «Luzern ist eine sehr offensiv ausgerichtete Mannschaft.»
Der FCL lieferte zum Auftakt in die Saison gegen Aufsteiger Xamax eine durchschnittliche Leistung ab. So ansehnlich die Offensivaktionen teilweise waren, so offensichtlich war auch, dass die defensive Organisation bei weitem nicht die ist, die erforderlich ist, um ambitionierte Ziele zu erreichen. Xamax erarbeitete sich viele, zu viele Chancen. «Man kann nicht erwarten, dass auf Anhieb alles funktioniert», sagte Trainer Ciriaco Sforza, der aber einräumen musste, dass «wir den Gegner zu Torchancen eingeladen haben». Der spielerisch gute Gegner brachte aber schliesslich doch nur ein Tor zustande und erst noch ein nicht alltägliches. Der Franzose Szlykowicz bezwang König kurz nach der Pause mit einer herrlichen Volleyabnahme aus 25 Metern und glich Cantaluppis 1:0 aus.
Eine Besonderheit zum Auftakt war auch die, dass der FCL gleich mit fünf neuen Gesichtern antrat. Die Bilanz des ersten Wettkampfes fiel nicht für alle gleich positiv aus.
• Swen König. Der 21-Jährige ersetzte David Zibung tadellos und avancierte gleich zum besten Luzerner des Startspiels. Vor allem König war es zu verdanken, dass der Aufsteiger nicht schon nach 12 Minuten durch Coly in Führung ging, und dass Merenda in der 93. Minute der Lucky Punch nicht gelang. Mit ihm hat der FCL - so der erste Eindruck - eine zuverlässige Nummer 2 im Tor verpflichtet. Am Donnerstag beim FC Zürich kehrt Stammgoalie und Captain Zibung wieder ins Tor zurück.
• Roland Schwegler. Der Neuzuzug von GC wirkte nicht immer stilsicher, was häufig an den Abstimmungsproblemen mit seinem neuen Abwehrpartner Cipot lag. Der Seetaler muss noch konsequenter, noch energischer auftreten, auch verbal.
• Fabijan Cipot. Der grossgewachsene Innenverteidiger konnte im ersten Spiel für Luzern nicht überzeugen. Er bekundete vor allem in den Laufduellen und den 1:1-Situationen zum Teil viel Mühe. Weil er aber erst fünf Tage zuvor zum Team stiess, weil er vorher wegen einer Verletzung noch pausiert hatte, und weil der glitschige Boden sicher nicht zu seinem Vorteil war, ist eine definitive Beurteilung sicher noch nicht möglich. Fest steht aber: Vom Slowenen wird eine Steigerung erwartet.
• Davide Chiumiento. Viel unterwegs, einige gelungene Spielverlagerungen, ein guter Freistoss - der neue Spielmacher konnte vereinzelt Akzente setzen. Noch nicht berauschend waren seine stehenden Bälle von der Seite. Szlykowicz bei Xamax gelang das besser. Nichts zu sehen war von Chiumiento in den ersten 15 Minuten nach der Pause, als der FCL nur reagierte. Dass es noch «einiges zu verbessern gibt», gab auch der 22-Jährige hinterher zu.
• Felipe. Der neue Stürmer aus Brasilien bewies am Ball seine Klasse, zeigte brillante Finten, spielte den herrlichen Pass, der zum Penalty und zum 1:0 führte, und traf in der 80. Minute mit einem gekonnten Freistoss den Pfosten. Der 21-Jährige deutete sein Potenzial an, doch das, was von ihm erwartet wird, gelang ihm (noch) nicht: Tore. Dies auch deshalb, weil er den Abschluss zu oft verzögerte. «Ich, wie auch das Team, können noch mehr», sagte Felipe, der seine Leistung mit der Note 6 auf der 10er-Skala bewertete.