wie immer, wenn basel eine mir sympathische anhängerschaft aus dem restlichen europa empfängt, war ich vor ort und hoffte auf einen auswärtssieg. (ja, ich weiss, krank, aber es ist halt so

)
zum spiel muss ich ja nix sagen, ich hätte es mir nicht besser ausdenken können.
offensichtlich unterliegt basel einem zuschauerschwund, der meines erachtens nicht nur auf die preispolitik zurückzuführen ist. fakt ist, dass das interesse an einem erfolgreichen fc basel in der ganzen schweiz nachlässt. und das hat diverse gründe, auf die ich nicht näher eingehen möchte. ich bin gespannt, was passiert, wenn der st.jakobs-park auf 40’000 erweitert ist. mein szenario: der jahreskarten-verkauf wird sinken, weil das argument “somit hab ich sicher tickets für die champions league” entfällt. was das für die einzelnen spiele / zuschauerzahlen bedeutet, kann sich jeder selbst denken. wenn schon gegen hearts nur 21’000 leute hingehen, wieviele werden dann zu einem normalen meisterschaftsspiel gegen yverdon oder vaduz in den st.jakobs-park pilgern?
konkret spürbar auch die veränderung des verhältnis zuschauer – mannschaft. immer stärker kommt das klassische gefühl auf, dass der zuschauer der “büezer” und die spieler die “millionaros” sind. die distanz vergrössert sich zusehends und die unzufriedenheit wächst von spiel zu spiel. man bedenke, basel hat absolut geile europäische spiele im terminkalender (wer von uns würde nicht gerne hearts & feyenoord empfangen und nach gelsenkirchen & budapest reisen?) und sind nach wie vor unangefochten auf platz 1 in der meisterschaft. vor einigen jahren wäre das grund zu einer über ein jahr andauernden feier gewesen, der erfolg hinterlässt da ganz klar seine spuren.
es wird gemotzt, was das zeug hält, und zwar von der ersten bis zur letzten minute. bereits beim 0:1 waren einige zu sehen, die sogar für die hearts gejubelt haben, aus schadenfreude über die eigene schwache leistung!? (anm. des autors: ich jubelte natürlich auch aus schadenfreude, aber die kam von ganzem herzen

)
die stimmung empfand ich als schwach, selbst die einstmals berühmte muttenzer kurve ist nur noch ein schatten seiner selbst. die liedervielfalt ist verloren gegangen, alles purer einheitsbrei. die lautstärke liess deutlich nach, der balkon, der früher noch ab und zu mitgemacht hat, ist ebenfalls schon zur reinen sitzplatztribüne geworden. einzig die choreoarbeit ist immer noch beeindruckend, da gibts nichts zu meckern.
im forum, wo sich eine grosse mehrheit ultraorientierte tummeln, wird geflucht, was das zeug hält, man bläst trübsal, keine spur von aufbruchstimmung, sondern pure enttäuschung macht sich breit. leute verschenken ihre feyenoord-tickets oder kaufen sich nun definitiv keine.
erfolg macht satt, die ansprüche werden höher! klar, das jammern ist auf hohem niveau, aber die tendenz lässt (für uns

) gutes erahnen.
mag sein, dass ich das alles jetzt ein wenig überbewerte, zumal es mein erstes fcb-spiel seit newcastle war, und an einzelnen beispielen sollte man ja nicht die ganze saison beurteilen.
aber was ich gestern gespürt habe, ist wieder mal, dass ich in solchen momenten einfach verdammt stolz bin, ein luzerner zu sein. hier wird fussball noch gearbeitet, gekämpft. wir haben keine millionaros auf dem platz, sondern spieler, die ein herz haben. für die fans, für den fcl. das mag nicht auf alle zutreffen, aber wenn ich einen ronny hodel sehe, will ich nicht in erster linie, dass jede seiner flanken ankommt, sondern dass er rennt & kämpft. und nach dem spiel sich bei uns bedankt, ob das spiel gewonnen oder verloren wurde. ich will in einem stadion mit einer richtigen stehplatztribüne sein, ein bier trinken, das seinen namen noch verdient, im winter soll mich ein kafi wärmen, das wirklich kafi ist, wenn ich hunger habe, will ich eine wurst essen, die noch nach wurst riecht und man nicht 5-sterne-preise dafür entgelten muss.
stellt euch vor, wir sind “nur” auf platz drei in der zweithöchsten liga eines fussball-entwicklungslandes

, wir sind noch zwei siege vom cupfinal entfernt, europäische wettkampfpraxis ist in weiter ferne, aber irgendwie reiten wir doch schon wieder auf einer kleinen euphoriewelle. es sind die kleinen dinge des lebens, die einen glücklich machen können.
*sing* es kommt die zeit, ohohoh, in der es basel nicht mehr gibt...
ps. ich habe meine freundin jetzt genau zum dritten mal mitgenommen. 1. spiel: fcb-fcl (remember aug 2002!) / 2. spiel fcb-newcastle / 3. spiel fcb-hearts... 3 fcb-niederlagen (und so oft verloren die insgesamt noch nicht im neuen st. jakobs-park!). was meint ihr, soll ich ihr zu weihnachten eine jahreskarte schenken?

)
es grüsst, eure oberkutte!